Es war ein ganz normaler Samstag. Morgens habe ich gearbeitet, mein XP-Pen Tablet lag auf dem Schreibtisch, alles lief. Dann packte ich meine Kamera ein und fuhr zur Hochzeit. Als Fotograf begleite ich solche Tage von Anfang bis Ende, Standesamt, Locations, Portraits, die Feier. Abends beim Essen setzte ich mich an einen Tisch und kam mit einem Gast ins Gespräch. Wir redeten über Technologie, über die Cloud, über Geräte und Autos die man per Fernzugriff abschalten kann. Irgendwann brachte ich mein Wacom Grafiktablet ein.
Kurz zur Erklärung: Ein Grafiktablet ist im Grunde ein Ersatz für die Maus. Statt einer Maus hältst du einen Stift in der Hand und führst ihn über eine sensitive Fläche. Der Cursor auf dem Bildschirm folgt dem Stift. Für Bildbearbeitung und Retusche ist das natürlicher und präziser als jede Maus, weil man so arbeitet wie man es vom Zeichnen oder Schreiben kennt.
Also… mein Wacom Intuos 5 touch L, ein professionelles Grafiktablet, teuer, robust, seit Jahren zuverlässig. Und trotzdem nutzlos, weil Wacom irgendwann entschieden hat, keine Treiber mehr für aktuelle macOS-Versionen bereitzustellen. Funktionierende Hardware, die ich wegwerfen sollte, weil ein Unternehmen beschlossen hat, dass das Gerät alt genug ist.
Ich hatte damals, vor drei Jahren, das Internet durchforstet und keine Lösung gefunden. Also kaufte ich mir ein günstigeres Tablet von XP-Pen. Es tat was es sollte, aber ich war nie wirklich zufrieden damit. Das sagte ich dem Hochzeitsgast auch so. Direkt und ohne Umschweife.
Der nächste Morgen
Ich setzte mich an meinen Rechner. Wollte die Hochzeitsfotos durchsehen. Das XP-Pen Tablet zeigte nur eine Meldung: „Verbinden Sie bitte zuerst das Gerät.“
Es war verbunden. Direkt am Mac, mit dem Originalkabel. Und vor allem hatte es in der Zwischenzeit keiner angefasst. Ich probierte ein anderes Kabel, einen anderen USB-Port. Nichts. Ich schaute im Systembericht nach, ob der Mac das Gerät überhaupt erkennt. Kein XP-Pen in der USB-Liste. Das Gerät meldete sich auf Hardware-Ebene nicht mehr.
Über Nacht. Ohne Sturz, ohne Stoß, ohne irgendeinen erkennbaren Grund.
Ich saß da und musste innerlich lachen. Ich hatte am Abend zuvor über ein Tablet gesprochen, das ich nicht mehr nutzen kann. Und am nächsten Morgen funktionierte das Ersatzgerät nicht mehr.
Wer oder was auch immer für solche Zufälle zuständig ist: Es hatte meine Aufmerksamkeit.
Die Lösung, die ich vor drei Jahren nicht fand
Ich suchte wieder nach einem Treiber für das Wacom. Doch diesmal suchte ich anders. Und ich fand OpenTabletDriver, ein Open-Source-Projekt, das herstellerunabhängig funktioniert und aktiv weiterentwickelt wird. Keine Abhängigkeit von Wacom, keine Abhängigkeit von XP-Pen. Ein Treiber, der einfach funktioniert, weil eine Community von Menschen ihn pflegt, die genauso denken wie ich: Gute Hardware darf nicht sterben, nur weil ein Unternehmen das Interesse verloren hat oder vielleicht mehr Umsatz machen möchte.
Die Installation unter macOS 15 Sequoia war unkompliziert:
- OpenTabletDriver herunterladen von opentabletdriver.net
- macOS-Sicherheitswarnung umgehen: System-Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Trotzdem öffnen
- Berechtigungen erteilen: Bedienungshilfen und Eingabegeräteüberwachung
- Tablet anschließen, Stift konfigurieren, Scrollrad einrichten
Das war alles. Mein Wacom Intuos, das ich vor drei Jahren in eine Schublade gelegt hatte, lag plötzlich wieder auf meinem Schreibtisch und funktionierte. Vollständig. Mit Drucksensitivität, Radiergummi, Scrollrad.
Drei Jahre. Und die Lösung war die ganze Zeit da. Nur gut, dass sich etwas in mir sträubte, es zu entsorgen.
Zufall? Ich glaube nicht
Ich bin Kundalini-Reiki-Meister. Ich arbeite mit Energien, mit Channelings, mit dem was sich zwischen den sichtbaren Dingen abspielt. Ich weiß, dass das für viele Menschen abstrakt klingt, vielleicht sogar befremdlich. Das ist in Ordnung.
Aber ich habe in meinem Leben oft Sachen erlebt, dir mit keiner Logik zu erklären sind. So auch, dass Situationen entstehen, die mich genau dorthin führen, wo ich hingehöre. Nicht durch Planung. Durch Unterbrechung.
Das defekte Tablet war eine Unterbrechung. Und Unterbrechungen haben bei mir fast immer einen Sinn.
Der Dienstag danach
Ich nahm das XP-Pen Tablet in die Hände und fuhr mit meinen Händen darüber. Dann hatte ich das dringende Bedürfnis es noch mal an zu schließen mit dem Gedanken „Es würde mich nicht wundern, wenn es wieder geht“.
Angeschlossen und es lief auf anhieb.
Einfach so. Als wäre nichts gewesen.
Ich habe keine technische Erklärung dafür. Und ich glaube, dass der eigentliche Zweck war, dass ich mein Wacom zurückbekomme. Das Werkzeug, mit dem ich wirklich arbeiten will. Und dass ich lerne, nicht aufzuhören zu suchen, nur weil ich beim ersten Mal keine Lösung gefunden habe.
Was ich daraus mitnehme
Gute Hardware stirbt nicht. Sie wartet.
Hersteller kommen und gehen, Treiber werden eingestellt, Geräte landen in Schubladen. Aber das Gerät selbst ist noch da. Und meistens gibt es einen Weg, es wieder zum Leben zu erwecken, wenn man bereit ist, ihn zu finden.
Das gilt für Tablets. Und für vieles andere auch.
Manchmal zieht das Universum einem den Stecker, damit man aufhört, mit dem Falschen weiterzumachen. Und manchmal ist die Unterbrechung der direkteste Weg zur Lösung.
Ich hätte das Wacom ohne den Defekt am Sonntag nie wieder ausgepackt.
Wenn du ein älteres Wacom-Tablet hast, das unter aktuellem macOS, Linux oder Windows nicht mehr funktioniert: Schau dir OpenTabletDriver an. Es unterstützt eine Vielzahl von Modellen, auch von XP-Pen, Huion und anderen Herstellern. Der Download ist kostenlos, die Community aktiv, und dein Grafiktablet wartet vielleicht schon in einer Schublade auf dich.


